AM Forum 2026 in Berlin: Additive Fertigung zwischen Bundeswehr und Bauteil-Authentifizierung
Über 750 Fachleute trafen sich beim AM Forum 2026 in Berlin, um über industrielle Additive Fertigung zu diskutieren. Niedersachsen ADDITIV war als Kooperationspartner vor Ort und nutzte die Konferenz für den Austausch mit bestehenden und neuen Kontakten.
Am 10. und 11. März 2026 fand im Estrel Congress Center Berlin das AM Forum statt, eine internationale Konferenz für industrielle Additive Fertigung. Über 750 Fachleute aus Industrie und Forschung, 60 Aussteller und mehr als 200 Vortragende präsentierten aktuelle Entwicklungen, Anwendungen und Zukunftsperspektiven des industriellen 3D-Drucks. Unter den Referenten waren unter anderem Vertreter von Airbus, New Balance und Materialise sowie Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey. Neben den Fachvorträgen nutzten die Teilnehmenden zahlreiche Networking-Formate. Ihr zehnjähriges Bestehen feierten die Veranstalter mit einem Abendempfang.
Verteidigungsbereich setzt auf 3D-Druck
Till Tetzlaff, Dezernent für Additive Fertigung Metall beim Innovationszentrum der Bundeswehr, erläuterte in seinem gut besuchten Vortrag, wie die Bundeswehr Additive Fertigung einsetzt. Geschwindigkeit sei hier entscheidend. Bauteile müssten schneller einsatzbereit sein, als sich die Lage verändert.

Der Workflow: Ideen aufnehmen, vor Ort evaluieren, experimentell testen, schnell iterieren. Tetzlaff betonte die bekannte 80-20-Regel: Ein 80-prozentiges Ergebnis zur rechten Zeit sei wertvoller als ein perfektes Bauteil, das zu spät kommt. Zugleich warnte er davor, 3D-Druck als Selbstzweck einzusetzen. Die Methode muss der Mission folgen. Benjamin Wolf, Technical Officer der Luftwaffe, plädierte zudem in der folgenden Diskussionsrunde für eine europaweite Kooperationsplattform, über die Anforderungen und Bauteile länderübergreifend geteilt werden könnten.
Aussteller zeigen Bandbreite der Technologie
In der begleitenden Ausstellung zeigten Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Arbeit. Bosch etwa demonstrierte ein System zur Bauteil-Authentifizierung: Eine Schwarz-Weiß-Kamera mit 12 Megapixeln identifizierte vor Ort gedruckte Chips anhand von sieben Markierungspunkten auf 1 × 1 mm. Das Verfahren ist bereits in ihren Produktionsmaschinen integriert.

Das Fraunhofer-Institut präsentierte Dichtungen aus dem Inkjet-Verfahren, unter anderem für die Automobilindustrie, und sprach mit Niedersachsen ADDITIV-Mitarbeitenden über ihre Forschungsarbeiten zum Recycling von Kunststoffpulver sowie zu leitfähigen Materialien und Kupfer für dünne Antennen.
Das chinesische Unternehmen für pulverbettbasierte Laserstrahlschmelz-Anlagen E-Plus-3D stellte eine Anlage mit einem Bauraum-Volumen von bis zu 2 × 2 × 2 Meter und bis zu 64 Lasern vor.
Austausch und Netzwerken in familiärer Atmosphäre
Neben Ausstellung und Fachvorträgen bot das AM Forum zahlreiche Networking-Formate. Beim „Women in AM Luncheon”, organisiert von Mobility Goes Additive, standen die Frauen hinter den Erfolgsgeschichten im Mittelpunkt: Melissa Hajnsek (Bayern Innovativ) gab einen Ausblick auf die kommenden zehn Jahre der Branche. Isabelle Hachette (CEO, Interspectral AB) sprach über ihren Weg zur Geschäftsführerin und wie sie Studium und Karriere in verschiedenen Ländern, Mutterschaft und eine Führungsposition miteinander verbindet.

Fazit und Save the Date
Das AM Forum 2026 machte deutlich: Additive Fertigung ist in vielen Industrien fester Bestandteil moderner Produktionsstrategien. Themen wie Prozessstabilität, Integration in bestehende Produktionsketten und neue Materialien treiben die Branche voran.
Das nächste AM Forum findet am 2. und 3. März 2027 im Estrel Congress Center Berlin statt. Tickets sind bereits erhältlich.
